Das Fließen der Zeit spüren
als Strömen des Geschehens
und Wandel des Erkennens.
Im Zurückfließen zum Anfang
den Kreislauf der Zeit fühlen.
Das Alte im Neuen und
neu das Alte begreifen und
erkennen und sich selbst im
spiralen Kreisen neu als den
Alten von höher und ferner
anders erfassen.  Reifen.

(24. 5. 1988)

Dies sind Gedanken zu meiner Arbeit, meinen Bildern, die ich zuerst im Katalog
   “Ines Scheppach” des Phantastenmuseums Wien, 2013 veröffentlicht habe
.

Die Sprache der Bilder ist eine andere
als die der Worte.
Gefragt nach der Aussage des Bildes,
werde ich also nach der Übersetzung gefragt.

So, wie es immer wieder Neuübersetzungen
von Büchern gibt,
sind auch Bilder vielfach zu übersetzen.

Auch bei realistischen Bildern besteht der Inhalt
nicht nur in den Motiven, die man erkennt.
Nicht nur in der Symbolik, die durch die
Kombination der Motive entsteht.
Sondern durch die Gewichtung,
Verknüpfung, Wiederholung, hell-dunkel   -
wie in der Musik, Liedern ähnlich, die
nicht nur mit Worten etwas sagen
.

In der Fülle dessen, was es gibt,
finde ich die Motive.
So wie diese sich dann
auf dem Papier zusammenfinden,
bilden sie etwas Neues,
und oft fügt sich Widerstrebendes
zu einer Harmonie.

Die Kunst spielt mit der Wirklichkeit
auf der Suche nach Wahrheit.
Das Phantastische kann man tatsächlich
bei der genauen Betrachtung
des Vorhandenen entdecken.

Details zeichnen -
und wieder verstecken.
Anderes hervorheben
und betonen.
Etwas hinzufügen,
verknüpfen mit dem Vorigen.
Wie mit einem selbstgesponnen Faden
ein Bild weben.

Zu Beginn ist jedes Bild
ein Abenteuer.
Im Laufe der Arbeit wird es
zu einem Vertrauten.
Zuletzt stehe ich davor wie
vor einem Freund,
den ich glaube, nicht gut
genug zu kennen.

Ines Scheppach: